

Unser letzter organisierter Ausflug – La Réunion hautnah im Cirque de Salazie
Heute hieß es wirklich früh aufstehen – 6:00 Uhr Wecker, noch bevor die ersten AIDA-Busse losrollten. Wir wollten unbedingt die ruhige Variante erleben: nur 15 Personen, aufgeteilt in zwei Kleinbusse, jeder mit eigenem Guide. Das hat sich so richtig gelohnt – familiär, flexibel und ohne Gedränge.
Vom Hafen in Le Port ging es direkt nach Norden in den Talkessel Salazie, eine der drei riesigen „Calderas“ der Insel. Schon die Fahrt war ein Traum: knallgrüne Hänge, Bananenplantagen, überall kleine Wasserläufe – und das alles unter einem Himmel, der typisch-reunionisch schnell zwischen Sonne und dicken Wolken wechselte.

Erster kleiner Stopp: ein bunter Hindutempel in St. André.

Wir sind mittlerweile so „tempelgesättigt“, dass wir nur kurz Fotos gemacht haben und schnell weitergefahren sind. Der eigentliche Höhepunkt kam dann: eine Vanilleplantage, geführt von einer Familie, die einst aus Hamburg ausgewandert ist – irre, oder? Da fühlt man sich plötzlich fast ein bisschen zu Hause.
Die Erklärungen waren richtig faszinierend. Vanille stammt ursprünglich aus Mexiko, wo eine bestimmte Biene die Bestäubung übernimmt. Auf La Réunion klappt das mit der Biene leider nicht – also machen das die Menschen per Hand mit einer simplen Kaktusnadel. Drei Sekunden pro Blüte für geübte Hände, aber von der Blüte

bis zur fertigen, verkaufsfertigen Vanilleschote vergehen sieben Jahre! Trocknen, Fermentieren, Sortieren… ein echter Handwerksmarathon.


Natürlich durften wir probieren – der intensive, warme Vanilleduft war überwältigend – und haben ordentlich eingekauft. Ein paar Stangen wandern jetzt mit nach Hause (und wahrscheinlich auch in die Weihnachtsbäckerei 2026).

Weiter ging’s Richtung Hell-Bourg. Die Straße schlängelt sich durch unglaublich üppiges Grün, immer wieder tauchen Wasserfälle auf. Besonders beeindruckend: die Cascade Blanche, auch „Voile de la Mariée“ (Brautschleier) genannt

– ein zarter, langer Schleier aus Wasser, der über die Felsen fällt.
Leider hatten wir Pech mit dem Wetter: dicke Wolken hingen in den Gipfeln, der Piton des Neiges (mit 3.070 m der höchste Punkt) blieb uns größtenteils verborgen. Trotzdem – die Atmosphäre war magisch.

Hell-Bourg selbst hat uns sofort verzaubert. Früher ein Kurort mit heilender Quelle (die nach einem Taifun spurlos verschwand), heute eines der schönsten Dörfer Frankreichs. Weil die Quelle weg war, haben die Bewohner einfach beschlossen: „Dann malen wir halt alles bunt!“ Und genau das macht den Ort so besonders – pastellfarbene Kreolenhäuser mit Wellblechdächern, Holzbalkone, üppige Gärten. Ein bisschen wie ein Freiluft-Farbkasten mitten im Regenwald.
Direkt nebenan haben wir dann im Wald an einem beliebten Picknickplatz gegessen – sonntags kommen hier die ganze Insel-Familien her. Stilvoll mit Tischdecken, Stoffservietten, warmem Reis, gegrillter Dorade, Hähnchen, Linsen und einer herrlich scharfen Sauce „piment“ – dazu kaltes Bier und danach Kaffee + hausgemachter Kuchen. Einfach, herzlich und unglaublich lecker.



Da war noch der Kardinalsvogel – wegen der roten Federn. Sobald er ein Weibchen gefunden hat, wechselt er das Federkleid auf braun!

Der Rückweg führte uns über die berühmte Nouvelle Route du Littoral – die teuerste Autobahn Europas (früher sogar weltweit genannt). 12–13 km entlang der Küste, teilweise auf Viadukten mit Pfeilern tief im Meer verankert, Kosten pro Kilometer um die 130 Millionen Euro. Allein die Zahlen lassen einen staunen.

In Saint-Denis sind wir noch kurz durch die Altstadt geschlendert – schöne alte Kolonialhäuser mit Holzveranden – und haben dann einen kurzen Abstecher in den Botanischen Garten gemacht, bevor wir zurück zum Schiff nach Le Port kamen.




Ein wirklich runder, informativer und herzerwärmender Tag. Für uns war es der letzte organisierte Ausflug dieser langen Reise. Die letzten 100 Tage waren eine absolute Bilderflut – jetzt kommt erst mal Freiraum: selbst entscheiden, langsam ankommen, die Eindrücke sacken lassen.
Nächster Halt: Südafrika. Mal sehen, was uns da erwartet.
Auf nach Durban 🛳️
Bis bald – und bleibt neugierig!

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